Luaverde Porträt

Der Paradiesgarten von Monserrate:
Sinfonie in Grün

Einige Aussichten im Park von Monserrate erscheinen wie Bilder einer Traumlandschaft. Auf einem Hügel liegt ein maurisch anmutendes Schloss in den Farben Weiss und Apricot. Davor erstreckt sich eine Wiese. In der Ferne schimmert blassblau der Atlantik. Riesenbäume ohne Alter streben dem Himmel entgegen. Hier auf der Nordwestseite der Serra da Sintra ist im Laufe von mehr als 200 Jahren eine Gartenlandschaf gewachsen, die in ihrer Üppigkeit oft eher an einen Paradiesgarten als an einen Park erinnert.

Pflanzen aus aller Welt fügen sich in Monserrate zu einem harmonischen Ganzen zusammen: der Bambushain, die alte, riesige Araukarie aus Australien, die rund vierzig verschiedenen Farne, darunter zwei Baumfarne, Zypressen, Drachenbäume und eine Gruppe Palmen aus Mexiko. Die Exoten sind hier heimisch geworden. In der geschützten, warmen und beständig vom Atlantik befeuchteten Lage des Gebirges von Sintra hat sich diese Pflanzengemeinschaft in die natürliche Umgebung von Eichen und Kastanien eingefügt. Gepflegt erscheint hier nur weniges. Monserrate gleicht eher einem zart verwilderten Paradiesgarten, dessen Schönheit man vielleicht erst auf den zweiten Blick so ganz wahrnimmt. Spielerisch wirkt der angelegte kleine Wasserfall. Zart-fragil und von fast sakraler Harmonie ist der kleine Palast, der nun nach langer Restaurierungszeit Besuchern wieder die Pforten in sein orientalisch inspiriertes Inneres öffnet, mit dem Musikzimmer ganz im Westen, der nach Osten gelegenen Bibliothek mit ihrer prachtvoll geschnitzten Holztür und einer prächtigen Kuppel im Eingangsbereich.

Doch das eigentliche Wunder ist die üppig wuchernde Natur des Parks. Still wirken und weben die Pflanzen hier ihr eigenes Muster. An manchen Stellen haben sie sich über die Wege geneigt. Sie spenden Schatten, begrenzen den Blick und geben den Eindruck eines Waldes. Ein paar Meter weiter schon öffnet sich die Aussicht auf die fruchtbare Landschaft rund um Sintra und es entsteht das Bild eines weiten, harmonischen Raums, wie auf einem japanischen Gemälde. Bäche und Quellen plätschern durch diese schillernde Vielfalt in Grün. Ein Gummibaum umarmt mit seinem verzweigten Geäst und seinen Luftwurzeln die Ruine der alten Kapelle von Monserrate, die bereits hier stand, als der englische Millionär Sir Francis Cook das Anwesen 1856 erwarb. Zuvor gehörte es dem ebenfalls steinreichen William Beckford. Ein idealer Ort für einen exzentrischen Schriftsteller. Zwischen 1863 und 1929 wurden die meisten Bäume, die heute hier wachsen, gepflanzt. Monserrate war ein exotischer Park, der dem Geschmack seiner Zeit und zugleich dem Ideal einer englischen Parklandschaft entsprach.

Seine Geschichte war durchaus wechselvoll und um ein Haar wäre Monserrate gegen Ende des Zweiten Weltkriegs von einem portugiesischen Geschäftsmann, der das 143 Hektar große Gelände der Familie Cook abgekauft hatte, parzelliert versteigert worden. Die Stadtverwaltung von Sintra wusste dies zu verhindern. Heute ist Monserrate ein öffentlicher Park, dessen Schönheit allen zuteil wird. Kamelien in Pink, Rosé und Weiss sind zu großen Büschen gewachsen und blühen, ebenso wie die Rhododendren, im Frühling verschwenderisch. Düfte und Vogelgesang erfüllen die Luft. Da dieser Paradiesgarten fast noch ein Geheimtipp ist, kann man seine nahezu unberührte Schönheit meist still genießen.


Information:

Monserrate liegt auf dem Weg von Sintra nach Colares. Da es zwei Wege gibt: man muss am Laurence-Hotel und an der Quinta da Regaleira vorbei und sich dann rechts halten. Dann kommt man nach ca. 4 km nach Monserrate.

Eintritt: 5 Euro Erwachsene (Ermäßigungen für große Gruppen, Schüler, Senioren)
Geöffnet: 9.30 bis 20 Uhr (1. Mai bis 15. September)
10 bis 18 Uhr (16. September bis 30. April)