
Kunst, Literatur, Festivals:
Die Highlights der Saison
Möchten
Sie noch vor Reisebeginn wissen, was gerade kulturell in Portugal
angesagt ist? Karten kaufen, um dann in einem der großen alten
und wunderschönen Theater in Lissabon oder Porto ein Konzert
zu erleben? Wenn es so ist: für Reisende wie Sie gibt es die
Luaverde-Kulturtipps. Zur Zeit überwiegen allerdings die Ausstellungstipps.
Dokumentarfilm:
Vergangenheit und Gegenwart in Portugal
Aktuell
werden in Lissabons Kinos drei Dokumentarfilme gezeigt, die sich kritisch
mit Vergangenheit und Gegenwart Portugals auseinandersetzen und einen
tieferen Einblick in die Gesellschaft gewähren. "Fantasia
Lusitana" von João Canijo zeigt Portugal zu Beginn
des Zweiten Weltkriegs und damit das Land, Diktatur unter Salazar,
von dem aus die verzweifelten Flüchtlinge aus dem Nazi-Deutschland
und den von den Deutschen besetzten Ländern nach Amerika zu fliehen
suchten. Canijo zitiert hier Alfred Döblin und Erika Mann, aber
auch Antoine de Saint-Exupéry, und spricht von den "zwei
Ebenen der Realität in Portugal: der Welt im Kriegszustand und
Portugals Phantasie, ein neutrales Land zu sein, ein Mythos, von Salazar
geschaffen." (zu sehen im CinemaCity Campo Pequeno Praça
de Touros: 14, 16.20, 17.40, 19.05, 21.10, 22.30, 23.50 Uhr).
Es
ist vielleicht die schönste Bahnlinie Portugals, die von Tua
nach Mirandela. Einst führte sie bis Bragança, doch dann
begann die Demontage des Schienennetzes im ländlichen Portugal
und die Region Trás-os-Montes, Hinter den Bergen, wie sie symbolisch
heisst, wurde von der Politik ohnehin vergessen. Geld verdient wurde
an der Küste. Dazu passt, dass in vielen ländlichen Gegenden
Stauseen zur Energiegewinnung gebaut wurden. Dies ist auch im wildromantischen
Tua-Tal geplant. Die Menschen und ihre Dörfer sollen weichen,
die Bahnlinie würde in den Fluten verschwinden. Davon erzählt
Jorge Pelicano in seinem preisgekrönten Film "Pare, Escute
e Olhe". Und von Armut, Abgekoppeltsein von Wohlstand und
Entwicklung, von der sommerlichen Rückkehr der Emigranten, den
Festen, dem Tod und der Eisenbahnlinie, die die einzige Verbindung
hier zwischen den Menschen und den Dörfern und Städten darstellt.
Und vom Widerstand der lokalen Bevölkerung, der unterstützt
wird von Umweltschützern aus Portugal und sogar von Spanien aus,
wo sich auch Initiativen gegen die Zerstörung der Flusslandschaften
durch Stauseen einsetzen und Energiesparen proklamieren. (zu sehen
im CinemaCity Classic Alvalade: 13.50 Uhr). Weitere Informationen
zum Film und zum Widerstand finden sich auch auf der offiziellen
Website, leider aber bislang nur auf Portugiesisch.
Es
ist als Viertel mit überbordender Kriminalität immer wieder
in die Schlagzeilen der Medien gekommen: das Viertel "Cova da
Moura", größtenteils illegal errichtet, mit vorwiegend
schwarzen Bewohnern, in Amadora, dem Nachbarkreis Lissabons. Der Filmemacher
Rui Simões hat nun den Alltag der Bewohner porträtiert
und gibt damit einen seltenen Einblick in ein Stadtviertel, in das
sich Fremde eigentlich nicht hineintrauen und vom dem sie nur ein
Bild haben, das die Medien zeichnen. Die Insel von Cova da Moura,
"A Ilha de Cova da Moura" ist zu sehen im CinemaCity
Classic Alvalade um 13.40, 17.30 und 19.15 Uhr.
Klassik:
Erlesenes im Gulbenkian-Auditorium
Nicht
nur für Kunstliebhaber ist das Gulbenkian-Museum eine der ersten
Adressen Lissabons. Das Klassikprogramm bietet namhafte Solisten und
Orchester der Welt, dank der hervorragenden Arbeit der Gulbenkian-Stiftung
auf. Detaillierte Informationen und eine Übersicht über
das Programm finden Sie
hier. Und ganzjährig bezaubert und erfrischt immer auch der
Gulbenkian-Park mit seinen hohen Bäumen, Wiesen, plätscherndem
Wasser, dem See und den Skulpturen.
Lissabon:
Blecherne Vögel und hölzerne Menschen
In
Lissabon ist es ja nicht ganz so schwer, Selbstgemachtes zu finden,
z.B. auf den Kunsthandwerksmärkten. Doch Läden wie "Artefacto"
im Stadtteil Graça sind Unikate. "Artefacto" in der
"Calçada da Graça" bietet Kunsthandwerk von
Tavira ganz im Süden bis nach Bragança ganz im Norden.
Insgesamt elf KunsthandwerkerInnen sind hier vertreten. Und sie machen
ganz unterschiedliche Sachen: blecherne Vögel, hölzerne
Menschen, gestickte Liebeserklärungen oder Pfeifenköpfe
mit Tiermotiven. Virtuell kann man's sich hier
anschauen.
Bunt
und fröhlich: Kunst und Kunsthandwerk zum Verschenken
An
zwei Wochenenden im Monat ziehen Lissabons Kreative in die Parks.
Töpferer, Hutmacherinnnen, Filzkünstlerinnen, Designerinnen,
Schneiderinnen - es sind vor allem Frauen, die Kreatives für
Kinder wie für Erwachsene gestalten. Z.B. Ana Oliveira (Bild
links), die Stofftaschen, Notizbüchlein und Lesezeichen entwirft,
originell und liebevoll illustriert, mit Mohnblumen oder Katzen. Oder
die phantasievollen Figuren (Bild unten), die "senhor de si"
entwirft, alle mit einer kleinen Geschichte versehen, in der sie etwas
über sich und die Menschen erzählen.
Man
trifft sie an jedem ersten Wochenende des Monats im "Jardim da
Estrela"; von 9 bis 18 Uhr. Vorausgesetzt, die Sonne spielt mit!
Der Kunsthandwerksmarkt am "Principe Real" fällt zur
Zeit aus, ebenso wie der Biomarkt am Samstag. Der Park wird erneuert.
Dabei hätte er solch ein Lifting überhaupt nicht nötig.
Und nicht alle kleinen Parks und Grünflächen, denen im vergangenen
halben Jahr diese Prozedur widerfahren ist, waren nachher schöner
als vorher, im Gegenteil. So kann man nur hoffen, dass der beschauliche
"Principe Real" sein Flair behält.
Luaverde
Musiktipps:
Von
Renaissance-Musik bis Fado - eine kleine und persönliche CD-Auswahl
Luaverde-Buchtipps:
Portugal
literarisch entdecken - Romane, Erzählungen und Tagebücher
sind Reiselektüre anderer Art.
Die
Bildleiste oben zeigt:
den Amado Strand, © Antonio Sacchetti
Monsaraz, © José Manuel
Kloster Batalha, © Antonio Sacchetti
die Serra de Estrella, © Paulo Magalhães
und
Faro, ©Antonio Sacchetti